„Was Friseure können, können nur Friseure“, diesen Satz habe ich häufig als Aufkleber an Türen von einigen Friseursalons gesehen und obwohl ich eine negative Erfahrung machen musste, möchte ich diesen Satz dennoch unterstreichen. Frisuren sind ein ganz wichtiger Schönheitsfaktor und ich nenne es „Schönheitschirurgie am Kopf“, was Friseure machen und täglich leisten. Friseure haben also eine ziemlich große Verantwortung und müssen ebenfalls sehr kreativ sein.
Es kann natürlich aber auch beim Friseur etwas schief laufen und nicht den gewünschten Effekt erzielen.
Ich trage seit Jahren meine Haare lang und offen und lasse meine Spitzen regelmäßig beim Friseur schneiden. Mit verschiedenen Flechtfrisuren, die ich auch zum Teil vom Friseur habe machen lassen, habe ich von Zeit zu Zeit meine eigentlich langweilige Langhaar-Frisur versucht etwas aufzupeppen.
Wie es wohl bei den meisten Frauen ist, überkam mich eines Tages der Wunsch, sofort einen Friseur aufzusuchen und meine Frisur zu verändern. Ich weiß auch nicht, wie dieser Wunsch entsteht, aber wenn er erst einmal im Gedächtnis ist, dann wird man ihn nicht wieder los, bis man gehandelt hat. Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, denselben mit einer Dauerwelle zu verschönern und da Geduld und reifliche Überlegung sofort ausgeschaltet waren, verschlug es mich in den nächstbesten Friseursalon, wo man bereit war, mich ohne Termin „dazwischenzuschieben“.
Was ich mir vorgestellt hatte? Ganz einfach, ich wollte Locken!
Eine Beratung fand zwar statt, aber ich hatte eigentlich keinen Plan, was für mein Haar das Beste sein würde. Ich gebe zu, dass ich nicht viel Ahnung im Bereich der chemischen Haarbehandlung habe und so konnte ich mit den verschiedenen Dauerwellen und deren spezifischen Flüssigkeiten nichts anfangen. Das ist ja auch nicht weiter schlimm, denn ich bin ja Kunde. Die Friseurin und ich einigten uns auf eine besonders schonende Welle, die sie vorschlug und gemeinsam mit einem Lehrling, begann sie Strähne für Strähne auf Wickler zu wickeln. Ich beobachtete, dass sie anfangs das sogenannte Spitzenpapier um die Spitzen wickelte und diese dann um die Wickler legte. Das soll die Spitzen vor dem Abbrechen schützen. Später benutzte sie keines mehr. Ist ihr vielleicht das Spitzenpapier ausgegangen oder war es weiter unten nicht mehr notwendig? Keine Ahnung!
Von der ungleichen Wickeltechnik der beiden Kolleginnen will ich ja gar nicht reden, doch es tat richtig weh am Kopf. „Wer schön sein will, muss leiden!“, dachte ich und muckte nicht auf. Man möchte ja nicht zu diesen ewig Meckernden gehören.
Dass das Anrühren der Wellflüssigkeit Vertrauenssache ist, weiß ich spätestens seitdem, denn kurz vor Ablauf der Einwirkzeit war der stechende Schmerz auf der Kopfhaut kaum noch auszuhalten und ich bat die Friseurin, in deren Ereigniswelt ich gar nicht mehr vorzukommen schien, sie möge doch bitte meine Pein beenden. Mit dem strengen Blick einer forschen Nachtschwester, sah sie gnädiger weise nach und entschied, die Wickler abzunehmen. Durch die eigenartigen verschiedenen Wickeltechniken waren die Haarsträhnen zum Teil mit den Wicklern so verknotet, dass die Friseurin sie abreißen musste.
Nach dem Ausspülen kam der Schock – meine Haare waren abgebrochen
Das Ausspülen der Flüssigkeit war eine Wohltat, aber ich bemerkte eine schmerzhafte Stelle am Nacken. Eine weitere Prozedur war das Lufttrocknen unter einer Wärmequelle. Ich konnte fast zusehen, wie die Spitzen abbrachen und fühlte mit den Fingern borstige Stellen auf dem Kopf von der Größe einer 2,00 Euro Münze. Von Lockenpracht keine Spur. Vereinzelt kringelte sich eine verklettete Haarsträhne, aber das war auch schon alles.
Noch im Friseursalon, wo gleich in der Nähe ein Friseurbedarf war wo ich mir anschließend eine tolle Haarpflege besorgte, konnte ich büschelweise die Haare herausziehen, die das nicht überlebt hatten. Mein Haar hat schwer gelitten unter dieser Behandlung und eine verätzte Stelle im Nackenbereich zeugte noch ein paar Tage danach von der aggressiven Dauerwellflüssigkeit, die ich vielleicht nicht richtig vertragen habe auf der Haut. Sollte mich je wieder der Gedanke überkommen, ich müsse mich verändern, so wähle ich zukünftig den Friseur sorgfältiger aus, denn Haare sind uns allen doch sehr wichtig.